OOORSCHWERBLEEDE.DE.TL
Simson S51 Retro Sport

The making of... OOORSCHWERBLEEDE!!!

 


 

OOORSCHWERBLEEDE!!! …the making of…

 

Hauptrollen: S51 (Bj. 1982) & Hechtiver

Nebenrollen in den Kategorien…

Techn. und seelischer Beistand: Stefan (im weiteren Text oft Schwiegervater genannt)

Schweißen: Andreas

Motortechnik: (Onkel) Andreas

Polierarbeiten: Jörg

Lack: Maik

zugänglich machen der Sandstrahlkabine sowie cleanen der Blechteile: Marcel

Bericht verfasst am 01.08.2010, Korrektur gelesen von meiner Freundin

 

Erklärung OOORSCHWERBLEEDE!!!

Immer wieder habe ich bis jetzt die Frage gestellt bekommen was das heißen soll. Da ich aus dem schönen Sachsenland komme muss ich dazusagen, dass es sich bei dem Ausdruck um einen dialektischen Ausspruch handelt, der Bezug nehmend auf etwas Unvorhergesehenes gebraucht wird. Meist will der Aussagende damit zum Ausdruck bringen wie genervt er von der momentanen Situation ist. Man kann es übersetzen mit „Oh ich werde blöde!!!“.

Da ich beim Umbau immer wieder auf unerwartete Probleme stieß, die zu lösen waren und die mir mit der Zeit noch den letzten Nerv zu rauben schienen, hielt ich den Ausspruch für die geeignete Überschrift meines Umbaus von einer normalen S51 zu einer S51 R(etro)S(port).

 

Zur Geschichte

Als ich 16 war besaß ich schon einmal eine S51. Ich hatte ein paar wenige Sachen verändert: MZ TS Lenker (gekürzt), gekürzte Schutzbleche, gezogener Obergurt, 12V Horn, Enduro-Kickstarter, Blinkerstäbe und Auspuff gekürzt und Lampe hinten etwas höher gelegt. Dieses Moped war damals mein Ein und Alles.

Doch leider begab es sich, dass ich einen unverschuldeten Unfall hatte und das Moped Totalschaden war. Ich musste einem Schlagloch ausweichen und wurde von hinten von einem PKW erfasst der mich überholen wollte, wobei ich selbst innerorts schon schneller als 50 fuhr. Mein Moped schoss unter mir davon und ich flog durch die Luft, landete auf dem Rücken und rutschte über die Straße.

Durch die Wucht des Aufpralls hatte sich der Rahmen irreparabel verzogen. Ich hatte immer geplant das Moped mal wieder aufzubauen, so stand es lang in der Garage da ich kein Geld hatte, bis meine Eltern es für 100 DM einfach verkauften.

Jahrelang war ich dann ohne Moped, bis…

 

 

…und jetzt geht’s los!

…ich am 24.07.2008 am Vormittag meine S51 vom Schwiegervater geschenkt bekam. Ein Traum wurde für mich wahr!

Als ich in seine Werkstatt kam stand das Moped mit den zwei verschiedenen Blautönen im Eingangsbereich. Ich fragte ihn wem es gehöre und bekam zur Antwort:“ Keinem!“( Mit einem Lächeln auf den Lippen) So nahm ich mich der herrenlosen Simson an, da ich ja ein großes Herz habe.





Eigentlich war mein Plan am Anfang der ,der S51 etwas mehr Charme zu geben, indem ich sie etwas aufhübschen würde. Sie sollte sich an meiner alten S51 orientieren. Aber irgendwie lief das ganze recht bald aus dem Ruder, was ich aber zu spät bemerkte und dann nicht mehr beeinflussen konnte.

Da ich in Bayern wohne und dort keine Möglichkeiten zum Basteln habe, blieb mein neues Goldstück vorerst in der Werkstatt in der Heimat und ich beschloss in Etappen zu bauen, denn so lange sollte es ja nicht dauern ein Moped zu verschönern, …dachte ich. Also hatte ich zwischen den Bastelwochenenden immer wieder Zeit zu sparen, Teile auszusuchen und zu bestellen. Zum Leidwesen meines Geldbeutels (und meiner Freundin) hatte ich so allerdings auch allerhand Zeit für neue Ideen und um Problemlösungen zu finden.

Ich begann damit, mir ein Grundkonzept zu überlegen. Die Farbe Blau sollte beibehalten werden, jedoch ein anderer und vor allem ein einheitlicher Ton gewählt werden. Der Aufbau sollte sportlich sein, jedoch an die Formen der S50 erinnern und dabei den Charakter der N-Serie mitbenutzen, da die ja auch blau war.

Ich bestellte zuerst einen TS-Lenker, einen Funk-Digitaltacho, einen Seitenständer, einen verchromten Enduro-Kickstarter und einen neuen verchromten Schalthebel, besorgte nagelneue Stoßdämpfer für hinten, Heidenau K55, einen AWO-Sportspiegel, Handhebel in Chromoptik  und eloxierte Felgen. Als ich das nächste Mal (zum 05.09.2008) in der Heimat war, wurde gleich erst mal geschraubt, Tasche auspacken konnte ich ja später. Das vordere Schutzblech wurde demontiert und eingemottet, da es zum zerschneiden zu schön war. Auch der Lenker wanderte in den Fundus, sowie die rote Rücklichtkappe. Diese tauschte ich vorerst gegen eine weiße mit 3 Schrauben aus. Auch alle anderen Teile die später demontiert wurden fanden ihren Weg ins Teilelager. Nichts was noch original und gut war wurde zerstört!!!

Nach der Montage des um 4 cm gekürzten TS-Lenkers trat ein altbekanntes Problem auf. Er schlug an den Tank. Des Rätsels Lösung schien mir, auf der linken Seite das Tauschen des Kompaktschalters gegen die verchromte kleinere Armatur der S50, zu sein. Auf der rechten Seite gestaltete sich die Problemlösung schwieriger. Ich demontierte den Choke-Hebel und entfernte mittels Schleifbank die komplette Aufnahme für die Starterklappe. Es wurde ein Choke-Hebel von einer MZ an den Lenker geschraubt, denn die dafür vorgesehene Aufnahme war ja schon da. Da erwartete mich auch schon das nächste Problem (OOORSCHWERBLEEDE!!!), der Bowdenzug war 1. vom Mantel her zu lang und 2. das dicke Ende passte nicht in die Aufnahme meines Choke-Hebels. Also Mantel kürzen und Ende so lange bearbeiten bis es passt. Aber siehe da, das Ergebnis war gut. Leider habe ich keine Ahnung mehr wie lang ich daran gesessen habe.

Die Reifen waren dafür umso schneller auf die neuen Felgen gezogen und montiert. In dem Zuge wurden auch gleich geschlitzte Bremsbacken verbaut. Zum guten Schluss demontierte ich den Gepäckträger, setzte die Hinterlampe weiter nach oben und kürzte einen Soziusgriff, den ich später anschraubte.

Nächster Bautermin war der 26.09.2008. Bis dahin war ein neues Endstück einer KR51/1 eingetroffen, ein Six-Days-Tankdeckel beschafft,  ein Kettenkasten in Chromoptik gekauft und ein Fußrastenträger mit Sportfußrasten besorgt. All dies wollte natürlich auch gleich verbaut werden, bevor es sinnlos herum lag.

Bevor ich jedoch das Endstück an den Auspuff setzte, wurde der noch um etliche Zentimeter gekürzt. Aus dem herausgetrennten Stück entfernte ich den Staukegel, ohne ihn zu verletzen und reimplantierte ihn in den jetzt kürzeren Auspuff. Selbe Vorgehensweise war in meiner Jugend Gang und Gäbe. Einen merklichen Leistungsabfall konnte ich bis jetzt nicht feststellen und auch der Klang ist original. Für den gekürzten Auspuff fertigte ich eine neue Halterung aus Flachmetall, die ich in Rahmenfarbe schwarz lackierte und an der Soziusfußstützenstrebe befestigte.


30.11.2008
                                                                                                  An dem Wochenende montierte ich auch den gezogenen Obergurt, zu dem ich wie die Jungfrau zum Kinde kam. Als ich das Mal zuvor in der Heimat war, suchte ich in der Werkstatt nach einem brauchbaren  alten Obergurt. Der Schwiegervater fragte, was ich damit wolle und ich erklärte mein Vorhaben. Als Antwort bekam ich: „Brauchste nicht machen, da liegt noch einer drüben im kleinen Lager!“ – Ihr müsst Euch das so vorstellen, dass sämtliche Teile in Gruppen eingeteilt und so auch verstaut sind und der Schwieva weiß genau, was da ist und was nicht und wo man schauen muss. Er ist so eine Art DDR-Moped-Ludolf!

So hab ich den Obergurt mit nach Bayern genommen und hier sandgestrahlt, grundiert und lackiert und beim nächsten Besuch einfach verbaut und bei der Gelegenheit das hintere Schutzi entfernt und ins Lager verräumt. Neue, verchromte Soziusfußrasten durften  auch nicht fehlen, also fix bestellt und montiert.

Jetzt ging es dann erst einmal in kleineren Schritten voran.

Am 29.12.2008 baute ich den Limadeckel mit Plexiglas probehalber an. Am 05.03.2009 lackierte ich Polrad und Bremshebel, die auf den neuen polierten Ankerplatten sitzen, in rot. Eine polierte Nabenabdeckung ziert seitdem das Vorderrad.

Ein neues Schutzblech für vorn hatte ich auf dem Oldtimermarkt besorgt, da es nur ein Nachbauteil war, erschien es mir genau richtig zum Umbau. Also wurde es gekürzt und tiefer gelegt. Für den Bau eines Schwingenschutzbleches hatte ich aus dem Fundus ein altes, verbasteltes Schutzblech herausgesucht und ein ausreichend großes Stahlblech besorgt. Das Schutzblech wurde erst auf passende Länge geschnitten und im  Anschluss fertigte ich aus Karton eine Schablone für mein Stahlblech, was später an das Schutzblech geschweißt werden sollte. Als die Schablone passte, übertrug ich sie aufs Blech und schnitt sie aus. Nachdem das Schutzblech vom schweißen zurück war, erwartete mich die eigentliche Arbeit. Das Anpassen! Ich bohrte in den Schwingensteg ein Loch und schnitt ein Gewinde hinein. Dort konnte ich das Schwingenschutzblech mit einer Distanzhülse befestigen. Die Hülse hatte ich aus einem verchromten Rohr selbst gefertigt und zum Schutzblech hin in Form abgerundet. Am Ende des angeschweißten Bleches bohrte ich ein Langloch, nachdem ich es in Form gebogen hatte. So hatte ich bessere Justierungsmöglichkeiten. Für die ganze, kurz beschriebene Aktion, baute ich das Hinterrad locker 10 Mal aus, damit die Entfernung zur Lauffläche stimmte, alles mittig saß, die Löcher passten, die Biegung im Blech ordentlich aussah usw. Nach einem halben Tag Arbeit war alles perfekt angepasst. Abermals dachte ich zwischendurch oft OOORSCHWERBLEEDE!





Am 03.04.2009 beseitigte ich endlich einen Missstand, der durch die längeren Federbeine aufgetreten war. Der Hauptständer schien geschrumpft zu sein, also wurde er verlängert. Ich verweise hier der Kürze halber auf das von mir geschriebene Tutorial (ooorschwerbleede.de.tl/Tutorial-Hauptst.ae.nder-verl.ae.ngern.htm). Auch eine neue Sitzbank fand ihren Platz!

Meine Freundin sagt immer ich rede zu viel, beim Schreiben ist es nicht viel anders.

03.04.2010 – Endlich waren meine Gleitrohre vom polieren zurück. Ich hatte nagelneue gekauft und bearbeiten lassen, weil die Alten recht unansehnlich geworden waren und schon mal eine Lackschicht erhalten hatten. Neu verbaut hielt ich das Moped jetzt fast für fertig. Jedoch entdeckte ich die CNC-gefrästen Gabelbrücken von GST und investierte abermals, so dass ich sie zum 01.05.2009 einbauen konnte.



Zwischenzeitlich hatte ich die Schutzbleche mit nach Haus genommen und grundiert. Die passten jetzt von der Grundierung her zum neu gelieferten Tank. Den alten bekam später wieder der Schwiegervater.



Parallel dazu hatte ich zwei Herzkastendeckel zum sandstrahlen mitgenommen und sie cleanen lassen, da ich selbst nicht über nötiges know how verfüge. Der Linksseitige war von der N-Serie, so dass kein Zündschlüsselloch mehr da ist. Am 03.05.2009 passte ich den DDR-Klarglasscheinwerfer so an, dass die großen 6V-Birnen durchpassen und entwickelte eine Halterung für mein Nummernschild, die mit einer Nr-Schildbeleuchtung eines 353er Wartburg versehen ist.


Der große Zeitpunkt war nun endlich gekommen! Alle Blechteile wurden verpackt und kamen zum Lackierer. Da ich ja sämtliche Teile im Doppel hatte stand mein Moped im alten Kleid vollständig in der Werkstatt. Als kleine Zugabe hatte ich eine S50 Lampenschale besorgt um die Optik abzurunden und die S50-Optik einfließen zu lassen.

 

Hochzeit

Am 31.05.2009 war endlich der große Tag! Blechteile und Rahmen verschmolzen zu einer Einheit. Gehalten von Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben, je nach Verwendungszweck aus golden eloxiertem Aluminium und Titan, war mein Moped vorerst fertig.

 

Abschmecken

Ich tüftelte aber schon wieder an einem neuen Rücklicht, da mir das mit den 3 Schrauben zu groß erschien. Ich arbeitete eine alte S50 Rücklichtschale auf und bastelte ein richtiges Klarglasrücklicht. Dies zog sich jedoch über einen längeren Zeitraum hin.





Am 23.07.2009 hatte ich erst einmal einen Termin beim TÜV in Bayern. Die netten Männer hatten so eine Simson noch nie gesehen und so musste ich das Moped gleich mal über Nacht bei denen lassen. Ich bekam somit TÜV auf meine Radabdeckungen und auf die Nr.Schildhalterung.

27.12.2009 Der Motor wird ausgebaut damit er inspiziert und überholt werden kann und endlich wird das neue Rücklicht verbaut. Jetzt ist die Retro-Optik perfekt. Da das neue Rücklicht kein Katzenauge hat, habe ich vorab schon eine Halterung für einen passenden Rückstrahler angefertigt und verbaut. So ist die Sicherheit nicht auf der Strecke geblieben.

Nachdem am 25.03.2010 die Testfahrt positiv verlief und alles funktionierte, beginnt jetzt die Einfahrzeit. Seit 12.05.2010 habe ich die erste energieautarke Alarmanlage, die es für Simsons gibt, an Bord – ab September soll sie wohl in den Handel kommen. Näheres zu dieser Alarmanlage, sowie Einbaumöglichkeiten, findet Ihr in meinem vorangegangenen Bericht.

 

Ritterschlag

06.04.2010 – 2. Platz bei der Wahl zum besten Moped 2009 bei s-u.de

27.11.2010 Endlich konnte ich den lang ersehnten Getriebedeckel anbauen. nachdem der Prototyp bei der Erstmontage einen Platzer in der Scheibe bekam musste ein neuer Deckel gefertigt werden. Die orangene Verschlußschraube in der Scheibe erlaubt sogar ein Nachstellen der Kupplung.

26.03.2011 habe ich die Sicherungsscheiben der Kupplung gebördelt, eine neue Deckeldichtung eingesetzt, Öl aufgefüllt und die Hupe auf Spiegelglanz poliert



Hupe halbfertig



Hupe Spiegelglanz poliert

Am 23.04.2011 habe ich den Seitenständer an der Schwinge gegen einen passenden Seitenständer getauscht, der an der vorgesehenen Stelle am Fußrastenbock montiert ist. Für die langen Standzeiten in der Werkstatt habe ich eine Indoorabdeckplane gekauft, damit der Staub sich nicht so sehr auf das ganze Moped verteilt und die polierten Teile nicht so schnell anlaufen.

Vorübergehened habe ich, aus technischen Gründen,  die Gabelbrücke von GST gegen die originale getauscht, soll aber wieder eine CNC gefräste folgen.
Die erste Fahrt in diesem Jahr verlief mit Hindernissen. Nach einer dreiviertel Stunde fahren mit ständigen Gasproblemen stellte ich im Vergaser den Zustand völliger "Vergrünspanung" fest, die durch die lange Saisonpause entstanden sein muß. Nach sorgfältigen Reinigungsarbeiten lief dann allerrdings alles tadellos!



"vergrünspanung" im Vergaser